Erfahrungsberichte High School Schueleraustausch2
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Marit im Bell Wellington College

Als ich zum ersten Mal ganz alleine ins Flugzeug Richtung London stieg, war ich sehr aufgeregt. Mein Kopf stellte sich eine "Was wäre, wenn..."-Frage nach der anderen. Im Nachhinein waren diese Sorgen gar nicht nötig. Es war gar nicht so schwierig, sich im Flughafenkomplex von Heathrow zu orientieren und wie bei einer Schnitzeljagd den Schildern zu folgen. Bei den Arrivals wurde ich von einem sehr freundlichen Bellteam empfangen, und dann saß ich auch schon im Taxi zum Wellington College. Sobald ich das top gepflegte Schulgelände und die wunderschöne, viktorianische Hauptfassade des Wellington College sah, habe ich es nie auch nur eine Sekunde bereut, mich für dieses College entschieden zu haben. Das Gelände war riesig. Es ist unmöglich, in zwei Wochen alles zu sehen. Wer sich schon im Voraus einen kleinen Überlick verschaffen will, dem empfehle ich, ein wenig auf der Website des Wellington College zu stöbern-dort kann man einen guten ersten Eindruck vom College bekommen. Die Zimmer sind eher einfach und nicht luxuriös, haben aber alles was man braucht. Toiletten und Bäder mit Duschkabinen sind auf den Fluren. Das "Girl"s House" war Apsley und lag etwa fünf Minuten zu Fuß von den Haupteinrichtungen wie dem Speisesaal und dem Language Center, in dem der Englischunterricht stattfand, entfernt. Man muss sich das College wie ein kleines Dorf vorstellen, in dem man oft von einer Einrichtung zur Nächsten laufen muss-das war aber überhaupt nicht schlimm.

Am ersten Morgen stand der Einstufungstest auf dem Programm. Er wurde von allen ernst genommen und bestand aus einer Stunde schriftlicher Prüfung und aus einer kleinen mündlichen Prüfung. Am nächsten Tag hing dann eine Liste mit den endgültigen Klassen aus. Der Unterricht war interessant und hat Spaß gemacht. Er war eine gute Gelegenheit, den eigenen englischen Wortschatz zu erweitern. Jede Klasse hat eine kleine Präsentation aufgenommen, ein Quiz oder Texte vorbereitet, die am letzten Tag den anderen Klassen präsentiert wurden. Am Ende des Kurses "English Explorer" fand auch das GESE-Examen statt. Das ist eine mündliche Prüfung, auf die man im Unterricht aber gut vorbereitet wird. Auch über die Ziele der Study Tours hat der Unterricht informiert. In meinen zwei Wochen Aufenthalt gab es drei davon, und zwar nach Stonehenge, Warwick Castle und in die London Dungeons. Diese Study Tours waren wie die gesamten Sprachferien perfekt organisiert und spannend. Auf jedem Trip hatten wir in einem kleineren Dorf oder einer Shopping Mall ungefähr zwei Stunden "Shopping Time".

Die Lehrer und Betreuer waren immer sehr nett und haben sich bemüht, dass es allen gut ging. Wenn man aber wirklich einmal krank wird und behandelt werden will, sollte man die richtigen Leute ansprechen, die Zugang zu den Medikamenten haben und auch helfen können. Das Tagesprogramm war straff, und so verging die Zeit wie im Flug. Der Vormittag war mit Unterricht und der Nachmittag mit den "Electives" ausgefüllt, die man selbst wählen konnte. Das Angebot war von verschiedenen Sportarten und Drama bis hin zu Photography und Arts ziemlich groß. Pro Nachmittag hatte man zwei verschiedene Electives. Die Abende waren auch immer mit gut organisiertem Entertainmentprogramm wie beispielsweise Quiz Night, den Capture-The-Flag ähnlichen Colour Wars oder Wettkämpfen wie Staff vs Students verplant. Alle Schüler waren in feste Teams eingeteilt, die während der Abendwettkämpfe und auch tagsüber für gute Taten Punkte sammeln konnten. Am Ende hat das Team mit den meisten Punkten einen Preis bekommen. Das Wichtigste an der ganzen Sache ist aber wie immer der Spaß.

Die Essensauswahl am Wellington College war enorm. Es gab eine kleine Salatbar, Ofenkartoffeln, Pasta, Reis, Brot und ein täglich wechselndes Angebot von Soßen, Suppen und anderen Beilagen. Bei Lunch und Dinner gab es immer verschiedene Fleisch- oder Fischarten und verschiedene Desserts. Obst konnte man jederzeit essen, zum Beispiel in den Unterrichtspausen. Auch das Frühstücksbuffet war sehr groß.

Jetzt komme ich aber zum allerwichtigsten Punkt meiner Sprachreise, und das ist das Kennenlernen von Menschen, die den unterschiedlichsten Nationalitäten angehören. Natürlich muss man dafür ein bisschen aus sich selbst herauskommen und mutig sein, die Schüler, die man sympathisch findet, einfach anzusprechen-aber es klappt. Die ständige Gefahr einer solchen Sprachreise ist natürlich, dass sich Cliquen bilden, deren Mitglieder dieselbe Sprache sprechen-nur nicht Englisch. Es gab zum Beispiel eine französische Clique, ein paar chinesische Cliquen und ein paar deutsche Cliquen. Wenn man wirklich internationale Freundschaften schließen will, ist man selbst dafür verantwortlich. Es gab aber auch viele Schüler, die mit genau diesem Ziel ins College kamen. Und so halte ich jetzt und hoffentlich noch für lange Zeit Kontakt zu neu gewonnenen Freunden aus China, Italien, Japan, Polen, Deutschland und Spanien. Auf jeden Fall sollte man sich aber auch im internationalen Umfeld wohlfühlen und nicht versuchen, sich einer Gruppe aus einem interessanten Land anzuschließen, in deren Sprache man aber nicht flüssig kommunizieren kann. Es macht am Ende nur unglücklich, wenn man den Gesprächen nicht richtig folgen kann. Letztendlich kommt es auf den Menschen an sich an. Ob jemand nett oder nicht nett ist, das lässt sich ganz bestimmt nicht an der Nationalität ablesen!

Ich werde mich immer wehmütig an diese bisher zwei besten Wochen meines Lebens erinnern und kann nur jedem empfehlen, der mit dem Gedanken spielt auch so eine Erfahrung zu machen, den Schritt zu wagen. Es ist wirklich eine Erfahrung fürs Leben.